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International Association for
Anthroposophic Body Therapies

Bothmer Gymnastik
Grundlage der Methode

Grundlage für diese Gymnastik ist das Menschenbild, wie es aus der Anthroposophie heraus verstanden werden kann: Der physische Körper, das älteste, am weitesten entwickelte Wesensglied, das vom Lebendigen belebt, von einer Seele differenziert, von einer individuellen Persönlichkeit, dem Ich, ergriffen, verwandelt und  umgestaltet wird.

Die Physis des Menschen rückt in besonderer Weise in den Mittelpunkt der Beachtung. Wesentlich ist, ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass der Physische Leib eine Einheit bildet aus einem übersinnlichen Kräfteorganismus der von Materie ausgefüllt ist. Diese Kräfteorganisation wird in der Bothmer-Gymnastik in besonderer Weise angesprochen.
‚…ihr Element ist das Geistige, das den Körper geschaffen hat und als Wille aus ihm spricht.’ Fritz Graf von Bothmer, 1924.[1]

Des Weiteren ist der Bewegungsorganismus als Ganzes zu betrachten: sowohl die altersspezifischen, physiologischen Bewegungsabläufe, als auch ein Einbeziehen des Ursprungs der menschlichen Bewegung ist nötig.

Damit gelangen wir in das Gebiet des Umraumes, des Gegenraumes, wie er in der projektive Geometrie [2]  genannt wird, aus dem heraus gesundende Bewegung erst möglich wird. Das Ergreifen des Körpers durch die Bewegung aus der Peripherie, in dem aus den Gesetzen des Raumes, vom Umkreis aus  gearbeitet wird, ist Grundlegend für die Bothmer-Gymnastik. Dabei werden die der Bewegung innewohnenden Willensprozesse ins Bewusstsein gebracht. Der Alltagsraum wird erweitert durch den Umraum.
Bothmer: "Der Mensch bestimmt den Raum… Erst sein Bewusstsein unterscheidet die Dimensionen und gibt ihnen Wert und Maß. Er ist der Mittelpunkt und umspannt den Umkreis."[1]
Die Qualitäten des Raumes, des Vorne-Hinten, Rechts-Links, Oben-Unten, sowie Schwere–Leichte, Mittelpunkt–Umkreis sind qualitativ sehr verschieden und haben eine formende, gestaltbildende Funktion in der Entwicklung des Leibes und damit auf den ganzen Menschen.
Bothmer-Gymnastik ist ein Werkzeug, um sich in diese Raumeskräfte und Dimensionen wahrnehmend, handelnd und gestaltend einzuarbeiten. Dies ist die Voraussetzung in der konkreten therapeutischen Situation, im Miteinander mit dem Patienten, einen heilbringenden Weg zu finden.

Ein einfaches Beispiel sei hier erwähnt, um das Arbeiten aus der Peripherie heraus zu illustrieren: Will man einen Ball in einen Korb werfen, so verbindet man sich innerlich zunächst mit dem Ziel, dem Korb. Dann entsteht innerlich ein Bewegungsbild von der optimalen Wurfbahn. Beim Ausführen – des Wurfes in den Korb – versucht man nun den Ball auf die optimale Bahn zu schicken: Eine gezielte körperliche Bewegung, aus der Peripherie heraus geführt.
Hier wird auch noch ein weiteres wichtiges Thema der Bewegungstherapie berührt und aus dem obigen Beispiel unmittelbar verständlich: Die Bedeutung des motorischen Nerven für die Bewegung als sensitiver Nerv. D.h., die Verbindung unserer Individualität aus dem Umraum mit der Physis in der Bewegung ist ein Wahrnehmungsprozess. Verfolgt man diesen Gedanken weiter, kann man auf seine große Tragweite für unser soziales Miteinander stoßen. Denn, kann ich meine Handlungsimpulse vom Ziel her und im Gesamtkontext erleben, wird ein solches Verständnis gesundend auf  unsere sozialen Zusammenhänge und unsere zwischenmenschlichen Beziehungen wirken.

R. Steiner weist uns auf ein Idealbild der menschlichen Bewegung hin, das dem Turnlehrer bzw. Therapeuten Leitbild sein soll, dem man sich übend annähern kann. Es ist gleichsam Leitmotiv der Gesundung. Das Gesunde ist Maßstab für die Therapie.
Fritz v. Bothmer: "Im Kräftespiel der Bewegung einen größeren Menschen im unbegrenzten Raume erstehen und den begrenzten menschlichen Körper immer mehr und mehr in jenes Idealbild hineinwachsen, sich hineinrichten und formen zu lassen, ist das Wesen dieser gymnastischen Erziehung." (…bzw. -Therapie) [1] Die menschliche Physis wird zum Gefäß des Seelisch-Geistigen. Die Individualität gestaltet und differenziert sie. So unterstützt diese besondere gymnastische Bewegung alle Wesensglieder in ihrem Gesundungsprozess.
Siehe hierzu auch: Alheidis von Bothmer [3] und Jochem Nietzold [7]

 

Bothmer Gymnastik als Erweiterung der Physiotherapie

Durch die Erfahrungen im täglichen Umgang mit den Patienten suchen viele Physiotherapeuten nach Ergänzungen zu ihrer gut fundierten schulmedizinischen Ausbildung.
Sucht man sie auf der Grundlage der Anthroposophie, so ist die Bothmer-Gymnastik eine wertvolle Erweiterung der schulmedizinischen Ausbildung. Ebenso wie dem Arzt die fachspezifische anthroposophische Weiterbildung.
Durch die mehrjährige Ausbildung kann ein Bewegungsempfinden erworben werden, das als Grundlage für ein neues Verständnis und einen anderen Umgang mit den konventionellen  physiotherapeutischen Techniken dienen kann. In der konkreten Therapiesituation eröffnen sich neue Wege, weitere Gesichtspunkte können einbezogen werden.
Grundsätzlich kann die Bothmer-Gymnastik in allen Fachgebieten der Medizin angewandt werden.
Auch Dr.med. Ita Wegman begegnete der Gymnastik. Sie erkannte das große therapeutische Potential in ihr. Gerne hätte sie Bothmer auch für ihr klinisch-therapeutische Institut in Arlesheim gewonnen. Dies ließ aber die begrenzte Zeit Bothmers leider nicht zu. Siehe auch: Biographie Bothmers [8].

 

Ausbildung zum Bothmer-Gymnasten

Träger: Bothmer movement International
Es gibt verschiedene Ausbildungswege:
-          An vielen Orten eine vierjährige, berufsbegleitende
Ausbildung. (siehe: www.bothmer-movement.eu.)

[1] F. Graf v. Bothmer: Gymnastische Erziehung, Verlag Freies Geistesleben, 1981. - Zurzeit vergriffen.-
[2] Raum und Gegenraum, Louis Locher-Ernst, Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum, Dornach, Schweiz.

[3] Die Bothmer-Gymnastik, Pädagogische und therapeutische Anwendungsmöglichkeiten, Alheidis v. Bothmer, Schattauer Verlag, 2004. Neue und erweiterte Auflage: 2012
[7] Geistige Strukturen sinnvollen Turnens, Jochem Nietzold, J.Ch. Mellinger Verl.
[8] Fritz Graf von Bothmer, die Biographie mit Selbstzeugnissen, Alheidis v. Bothmer, Selbstverlag
Zu bestellen bei: E-Mail: redaktionbothmer-movement.LÖSCHEN.com